Meine Einschätzung zu "A conversation with Singapore Prime Minister Lee Hsien Loong"
Ich habe PM Lees offene geopolitische Einblicke destilliert, die westliche Medien übersahen – von Taiwans sich verändernden Umfragen bis hin zu harten Wahrheiten, die sowohl die USA als auch China hören müssen.
Nachdem ich mehr als 15 Jahre in Singapur gelebt habe, habe ich immer bewundert, wie Singapur seine einzigartige geopolitische Position navigiert. Es ist ein Freund/strategischer Partner sowohl Chinas als auch des Westens (insbesondere der USA). Wenn also Singapurs Premierminister spricht, hört die Welt zu, und es hat erhebliches Gewicht (unverhältnismäßig zur winzigen Größe des Landes). Vor zwei Tagen (30. März) sprach Premierminister Lee Hsien Loong beim Council on Foreign Relations. Das vollständige Gespräch ist hier zu finden, und ich empfehle dringend, es anzuschauen (oder anzuhören). Die gemeinsame Erklärung zwischen den USA und Singapur ist ebenfalls lesenswert.
Ohne auf die eigentlichen Details des Gesprächs einzugehen, sind meine Beobachtungen die folgenden:
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Zunächst einmal: Wenn es um Geopolitik geht, ist das, was Premierminister Lee sagt (oder was die singaporeanische Regierung tut), in erster Linie für Singapurs langfristigen Nutzen, nicht für den anderer. Verschiedene Länder haben unterschiedliche Langzeitinteressen, also sollten wir in dieser Hinsicht nicht zu naiv sein.
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Obwohl das Gespräch offiziell aufgezeichnet wurde, sprach Premierminister Lee so direkt und offen, wie es ihm in einem öffentlichen Forum möglich war.
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Seine Antwort auf die erste Frage, warum/wie "Der Krieg in der Ukraine eine negative Auswirkung auf die Indo-Pazifik-Region hat", ist umfassend und tiefgründig. Er nannte Beispiele aus Nordostasien (einschließlich nuklearer Abschreckung), über die ich bisher nicht viel in der Berichterstattung gelesen hatte.
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Viele Menschen in westlichen Medien haben über die Taiwan-Situation gesprochen. Doch Premierminister Lees Ausführungen sind viel tiefgründiger. Ich war überrascht zu erfahren, dass es eine so drastische Verschiebung in den Umfragen der taiwanesischen Bevölkerung gegeben hat, darüber, "wer ihnen zu Hilfe kommen würde":
- Im Oktober 2021 glaubten zwei Drittel, dass die USA ihnen zu Hilfe kommen würden. Die Zahl liegt jetzt bei einem Drittel.
- Dies ist eine Umfrage, ein Datenpunkt in der Zeit, und ich kann kein Chinesisch, also keine voreiligen Schlüsse :P Aber ich hoffe, dass Journalisten/Kommentatoren mehr Hausaufgaben machen und uns mit ähnlich durchdachten Datenpunkten versorgen.
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Er scheut sich nicht, harte Wahrheiten zu teilen, die die USA oder China hören müssen.
- China befindet sich in einer unangenehmen Situation bezüglich des Krieges in der Ukraine. Der Krieg verletzt ein Prinzip, das China sehr am Herzen liegt: "territoriale Integrität, Souveränität und Nichteinmischung."
- Angesichts der vernetzten Natur des Handels zwischen China und den USA werden potenzielle/zukünftige Sanktionen gegen China auch die USA schaden.
- In der Region weist Premierminister Lee darauf hin, dass Chinas aktuelle Position zur Ukraine China nicht viel kosten wird. Das ist vielleicht nicht das, was das US-Publikum hören möchte. Schau dir die Positionen anderer Länder in der Region an, wie Indien.
- China ist im Vergleich zu den USA viel stärker in Handel/wirtschaftliche Zusammenarbeit in der Asien-Pazifik-Region eingebunden. China hat einen Antrag auf Beitritt zum CPTPP gestellt.
- Seine Gedanken zu einem aufsteigenden China und was die USA dagegen tun können (Minuten 42:35 - 47:42 im Video).
Das war's von mir für heute. Ich denke, Premierminister Lee ist einer der durchdachtesten Staatsführer, wenn es um Geopolitik geht, und ich lerne immer etwas Neues aus seinen Gesprächen. Hier ist das Video für den Fall, dass du es hier ansehen möchtest.
Wenn du dieses Gespräch gesehen hast, was ist dir am meisten aufgefallen? Ich bin neugierig zu wissen, was andere denken, besonders wenn du eine andere Perspektive als meine hast :)
Viele Grüße,
Chandler





