"Never pay the first bill" – eine Buchrezension
Dieses Buch hat mir die Augen geöffnet: Wie Mittelsmänner, Krankenhäuser und Versicherungen Milliarden mit dem Gesundheitswesen verdienen – und wie man jede Arztrechnung kritisch hinterfragen sollte.
Ich habe kürzlich "Never pay the first bill" von Marshall Allen fertiggelesen und empfehle es wärmstens. Dieses Buch ist ein Muss für alle, die im US-amerikanischen Gesundheitssystem Geld sparen wollen oder einfach verstehen möchten, warum Gesundheitsversorgung hier so teuer ist.
Als Ausländer im Land habe ich oft von Freunden, Kollegen und anderen gehört, wie sie über die Kosten des Gesundheitswesens in den USA klagen. Aber ich hatte bisher noch keine klare Erklärung dafür gelesen. Dieses Buch legt die Gründe schonungslos offen. Es sind die Mittelsmänner (z. B. Broker, Pharmacy Benefit Manager usw.), die Krankenhäuser und die Versicherungsanbieter, die weiterhin Milliarden an Provisionen und Gewinnen einstreichen.
Das Buch beginnt mit sehr deutlicher Sprache, um die Medizinbranche und ihre Akteure zu beschreiben – Begriffe wie räuberisch, profitgetriebenes System... Das war mir anfangs etwas unangenehm. Aber nachdem der Autor viele (wirklich viele) Beispiele aufgelistet hatte, wie das System Menschen wie dir und mir schadet, konnte ich die Wortwahl gut verstehen. Manche Statistiken und Fallstudien sind wirklich erschütternd.
- Die Provision für den Broker kann 40 % der Jahresprämie betragen – der Prämie, die dein Arbeitgeber und du zahlt. 40 %!
- Ein Krankenhaus hat den Preis eines Implantats von 3.500 US-Dollar (Einkaufspreis) auf 70.000 US-Dollar (dem Patienten berechnet) aufgeschlagen. Das Zwanzigfache.
- usw...
Eines der zentralen Themen, das bei mir hängen geblieben ist, ist die Bedeutung der aktiven Beteiligung an der eigenen Gesundheitsversorgung. Ich muss zugeben: Vor diesem Buch war ich einer von denen, die einfach jede Rechnung bezahlten, die ins Haus kam. Aus Singapur kommend, wo die Gesundheitskosten relativ transparent sind, war mir nicht bewusst, wie sehr das US-System darauf angewiesen ist, dass man Dinge hinterfragt. Allen macht überzeugend klar, dass Patienten viel zu oft Rechnungen akzeptieren, ohne sie zu hinterfragen – selbst wenn diese unangemessen erscheinen.
Das Buch ist vollgepackt mit praktischen Tipps zum Verhandeln von Arztrechnungen und zur Anfechtung fehlerhafter Posten. Was ich am nützlichsten fand, ist seine Anleitung zum Lesen einer Arztrechnung und zum Verstehen der Abrechnungscodes. Für Expats wie uns ist das besonders wertvoll, weil wir oft die "Spielregeln" hier nicht kennen.
Was dieses Buch auszeichnet, ist die schiere Anzahl echter Beispiele und Fallstudien. Manche sind wirklich schockierend – man liest sie und denkt: "Wie ist das eigentlich legal?" :D
Nach jedem Kapitel enthält Marshall eine kurze To-do-Liste (als Zusammenfassung), damit die Leser leicht handeln können. Ich hoffe, dass viele Menschen aktiv werden – als Einzelpersonen, Arbeitnehmer, Arbeitgeber oder andere Beteiligte –, damit sich die Situation mit der Zeit verbessert. Ich habe viele praktische Lektionen aus dem Buch mitgenommen und habe damit begonnen, die Abrechnungscodes meiner letzten Rechnung zu prüfen und besser zu verstehen :). Tatsächlich ist es einfach, einen Abrechnungscode zu googeln und nachzulesen, ob die Kosten berechtigt sind.
Insgesamt halte ich dieses Buch für ein Muss für jeden Expat in den USA. Das Gesundheitssystem hier kann überwältigend und, ganz ehrlich, manchmal ziemlich räuberisch wirken. Dieses Buch gibt einem die Werkzeuge an die Hand, sich zu wehren oder zumindest zu verstehen, wofür man eigentlich zahlt. Ich könnte falsch liegen, aber ich glaube: Wenn mehr Menschen dieses Buch lesen würden, müsste sich das System verändern.
Hast du frustrierende Erfahrungen mit Arztrechnungen in den USA gemacht? Ich würde gerne deine Geschichten hören – und ob es dir gelungen ist, sie herunterzuhandeln.
Viele Grüße,
Chandler

